Was schwach ist, das hat Gott erwählt
1. Kor. 1,27

Wie Gott einen Anfang in Bobengrün machte
und wie die Pfingsttagung begann

Große Not am Anfang
Historie Die Geschichte fing mit einem Schrecken an. Es war etwa um das Jahr 1850, da fiel ein Junge vom Kirschbaum. Der Sturz ging nicht gut aus. Beide Hände waren mehrmals gebrochen. Der zehnjährige Carl Sommermann, so hieß er, kam in große Not. Er wusste, dass er mit diesen verkrüppelten Händen nichts arbeiten könne und er der Dorffürsorge zur Last fallen würde. In seiner Verzweiflung las er die Bibel und lernte dadurch Jesus kennen.
Historie Seine Eltern hatten kein Geld für einen Arzt und so blieben die Hände verkrüppelt sein Leben lang. Doch diese Hände wurden ein Werkzeug Gottes. Er betete viel. Er lud Leute zum Bibelgespräch ein und bekam Kontakt zu den Herrnhutern, den Zinzendorf-Leuten, die dann über viele Jahre hinweg regelmäßig in seiner großen Stube Bibelstunden hielten.
Historie Mit dem Evangelisten Johannes Seitz, einem Schüler von J. C. Blumhardt aus Württemberg, gehörte er zu einer kleinen Bruderschaft. Sie nannten sich die „Reichsbrüder“, denn sie warteten auf Gottes Reich. Immer wenn Johannes Seitz die Bibel so lebendig erklärte, war das Haus übervoll.

Mit 60 Jahren bekam Carl von Gott einen inneren Auftrag: Bete für dein Dorf! Und das hat er getan. Im Froschbachtal, wo jetzt das Pfingstzeltlager ist, hütete er die Kühe. Dort im Wald hatte er einen Stein, an dem er immer vor Gott niederkniete und für sein Dorf betete — 23 Jahre lang!
Dann wirkte Gott eine Erweckung im Frankenwald Anfang der 20er Jahre (um 1922). Auch viele junge Leute in Bobengrün fanden zu Jesus, darunter auch der Enkel von Carl Sommermann, der Bäckermeister Hans Hägel. Es entstand ein lebendiger Jugendkreis als CVJM. Hans Hägel leitete diese Arbeit in Bobengrün bis 1962. 

Nach dem 2. Weltkrieg schenkte Gott wieder einen geistlichen Aufbruch in Bobengrün. In den 70er und 80er Jahren wirkte Gottes Geist besonders in unserem Dorf. Viele junge Menschen haben Erfahrungen mit Jesus gemacht. Der Same von Gottes Wort war aufgegangen — vielfältig.
Wie die Pfingsttagung begann
Auch bei der Pfingsttagung war große Not am Anfang. Der Evangelist Johannes Seitz kam vor mehr als 150 Jahren (ca. 1860) nicht nur nach Bobengrün, wie oben beschrieben, sondern auch in die kleine Waldsiedlung Haueisen bei Naila, 10 km von Bobengrün entfernt. Dort besuchte er seinen Bibelboten Kiesling, der in seinem Auftrag Bibeln mit einem Schubkarren im Land verkaufte. Wenn Seitz in Haueisen war, hielt er dort auch Bibelstunden. Eine Frau bekam dadurch Zugang zum Glauben an den lebendigen Gott.
Historie Ihr Sohn Martin lag 17 ½ Jahre gelähmt in seinem Bett, in einfachsten Verhältnissen. Doch dieser kranke Martin las die Bibel und fand darin Hilfe, Kraft und Trost und gewann Jesus lieb. An den Sonntagen besuchten ihn gerne abwechselnd seine Freunde vom CVJM Naila, Münchberg, Hof und Bayreuth. Sie lasen die Bibel mit ihm, beteten und sangen Lieder.
Zum Abschied wünschte sich Martin immer sein Lieblingslied:
„Ist’s auch eine Freude, Mensch geboren sein? Darf ich mich auch heute meines Lebens freun?
Ja es wär zum Weinen, wenn kein Heiland wär, aber sein Erscheinen bracht den Himmel her.“
Eines Tages sagte Martin zu seinen Freunden: „Ihr müsst einmal alle miteinander kommen an einem Wochenende im Frühling, wenn alles blüht und die Vögel singen. Kommt alle zu mir an Pfingsten!“ Und sie kamen, von Naila, von Hof, von Münchberg und Bayreuth — 36 an der Zahl. Das war die allererste Pfingsttagung 1914 in Haueisen beim kranken Martin.

Sie waren alle so erfüllt von diesem Treffen, dass sie sagten, das machen wir jedes Jahr wieder. Als Anfang der 20er Jahre (ca. 1922) viele junge Leute in Bobengrün zum Glauben an Christus kamen, hörten sie, dass sich in Haueisen junge Christen an Pfingsten treffen und dort in den Scheunen übernachteten. Sie besuchten die Tagung und kamen ganz begeistert und erfüllt zurück.
Historie Auf dem Foto sind auch die Bobengrüner bei der Haueisen-Pfingsttagung 1923 mit dabei. 215 Teilnehmer waren es damals schon. Später, in den 30er Jahren hielt der CVJM Naila die Pfingsttagung im Wald bei Naila ab, bis das Hitlerregime das Treffen verbot.
Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war große Not im Lande. Viele standen vor dem Nichts und hatten keine Hoffnung. Es war eine Hungersnot, leiblich und geistlich. Da besorgte sich der Bäckermeister Hans Hägel bei der amerikanischen Besatzungsregierung eine Sondergenehmigung und fuhr mit einem stehen gebliebenen deutschen Militär-Lastauto und seinen jungen Leuten durchs Frankenland und die Oberpfalz. Auf Marktplätzen und in Sälen, mit Posaunen- und Gitarrenmusik rief er die Leute zur Umkehr zu Gott. Am Schluss seiner markanten Reden waren es immer die Sätze: „Kommt alle an Pfingsten nach Bobengrün“!

Und sie kamen: 400 Teilnehmer.

Die Gäste wurden begrüßt mit großen, über die Straße gespannten Transparenten. „Pflüget ein Neues, weil es Zeit ist, den Herrn zu suchen. (Hosea 10,12)“ stand auf einem Transparent und das passte genau in diese Nachkriegszeit. Quartier gab es in den Scheunen auf Heu und Stroh. Morgentoilette war am frischen Bach und zur Stärkung hatten Hausfrauen Kartoffelsuppe in ihren Waschkesseln gekocht. Am Sonntag kamen noch 400 Tagesgäste aus dem Frankenwald und der Oberpfalz dazu. Das war die erste Pfingsttagung 1946 in Bobengrün.
Historie Hans Hägel konnte mit seiner geistlich fröhlichen Art Menschen aus allen Schichten für Gottes Sache und für die Pfingsttagung gewinnen. Er hatte ein weites und ein brennendes Herz.

Zum 10. Tagungsjubiläum schrieb er: „Wir müssen sagen, dass es die Gebete unserer Vorfahren waren, die das Wirken Gottes zu uns brachten. Sie haben gesät und gepflanzt, wir durften ernten.
Das „Kleine Blockhaus“
In seinem Bäckerhaus hatte der Hägels Hans eine Stube, in der sich junge Leute versammelten, die nach dem ersten Weltkrieg durch eine Erweckung zum lebendigen Glauben fanden. Doch in der Hitlerzeit wurden diese Versammlungen verboten. Was sollte er jetzt tun? Er betete 7 Jahre. Dann, es war während des 2. Weltkrieges, beim Lesen der Bibelverse Jeremia 32,7—8, als auch Krieg in Jerusalem war, sprach Gott zu Jeremia: „Kaufe einen Acker außerhalb von Jerusalem.“
Da kam ihm der Gedanke, er könnte außerhalb von Bobengrün ein Blockhaus in seinem Wald bauen, wo sich in diesem Versteck junge Leute um die Bibel versammeln könnten.
In seiner Bäckerei hatte er einen tüchtigen französischen Kriegsgefangenen, René war sein Name, der war Schreiner. Dem erzählte er von seinem Plan.
Historie Es dauerte nicht lange, da hatten René und sein französischer Kriegsgefangenenfreund Reymond, der auch Schreiner war, das kleine Blockhaus in den Wald gebaut.
Jeden Samstag Abend erzählte Hans Hägel im Geheimen den Jungen dort Geschichten aus der Bibel. Das war von den Nazis streng verboten. Doch Gott sei Dank, es kam nichts heraus. Er konnte damals nicht ahnen, dass sich einmal in diesem stillen Wald tausende Menschen versammeln würden, um das Wort Gottes frei zu hören.
Historie Dieses kleine Blockhaus, heute mitten im Tagungsrund, ist über Jahrzehnte für viele so etwas wie ein Beichtstuhl gewesen, in dem junge Leute in einem seelsorgerlichen Gespräch ihr Leben vor Gott in Ordnung gebracht haben und Jesus mit großer Freude in ihr Leben eingeladen haben.
Heute erfüllt das kleine Blockhaus einen anderen Dienst. Es ist die Elektronikzentrale, von der aus das Wort Gottes über Lautsprecher und über Internet viele Menschen im Tagungsgelände und an den Bildschirmen im Land erreicht.
Historie Das kleine Blockhaus ist zusammen mit der Bibel zum Symbol der Pfingsttagung geworden.